Geschichte des Bernauer Gedächtnislaufs

Seit 1937 wird ein Bernau-Gedächtnis-Lauf vom Skiclub Tölz durchgeführt. Anfangs als Abfahrtslauf vom Blomberg, später dann als Riesentorlauf am Brauneck. In den 70er Jahren, als die Beteiligung an alpinen Rennen immer geringer wurde und schließlich kein einziger Tölzer Teilnehmer am Start war, fasste man den Entschluss, den Bernau-Lauf als Langlauf durchzuführen. In dieser Form wird der Gedächtnis-Lauf immer noch jedes Jahr mit großer Beteiligung von Läufern aus dem Umkreis abgehalten.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Der Bernau-Gedächtnis-Lauf oder “Bernauer” wie er kurz genannt wird, hat nichts mit der Badertochter Agnes Bernauer zu tun, die nach einer Liebschaft mit dem Bayernherzog Albrecht III. in Straubing in die Donau gestürzt wurde im Jahre 1435, also genau 500 Jahre früher. Nein, unser Lauf wird zum Gedächtnis an die beim Lawinenunglück am Kampen auf dem Weg vom Hirschbachsattel zum Seekar ums Leben gekommenen Clubfreunde Christoph Lemmer und Konrad Rauch veranstaltet.

Der Skiclub hatte damals, als es die Clubhütte auf dem Brauneck noch nicht gab, verschiedene Alm- und Jagdhütten gepachtet, so auch die Bernau-Hütte. In der Nacht vom 2. zum 3. Februar 1935 hatte der Luftdruck einer Lawine größten Ausmaßes die Hütte erfasst und etwa 100 m in das Hirschbachtal hinabgeschleudert, zusammen mit acht Mitgliedern des Clubs, die sich schon in der Hütte zur Ruhe begeben hatten und sich unter den Trümmern der Hütte begraben fanden. Nur spärlich bekleidet und ohne Schuhzeug machten sich die Männer auf den Weg ins Tal. Im Zeitungsbericht über das Unglück hieß es wörtlich: “Während des Marsches stellten sich durch die mangelhafte Bekleidung starke Erfrierungen ein. Etwa in der Hälfte des Weges im Hirschbachtal mussten sie ein Lawinenfeld durchqueren und kamen dadurch abseits des Weges und stürzten in das eiskalte Wasser des Hirschbaches. Einstweilen stellte sich bei sämtlichen Leuten starke Erschöpfung ein. Nach einiger Wegstrecke wurde das Fehlen des Christoph Lemmer und des Konrad Rauch bemerkt. Die sofortige Suche verlief ergebnislos; die beiden wurden am Morgen von einem Suchkommando gefunden, gestorben an Erschöpfung und Erfrieren. Die geretteten Kameraden Michl Anderl, Georg Anderl, Josef Edtmayer, Otto Wörle, Josef Pongratz und Hans Ströll mussten sich in Krankenhausbehandlung begeben, konnten aber bald ohne bleibende Schäden entlassen werden”.

Im Skiclub und in der Stadt herrschte Bestürzung und Trauer über den Verlust der beiden Toten. Ihr Andenken sollte nicht so schnell verblassen, darum entschloss man sich, alljährlich einen sportlichen Wettbewerb zum Gedächtnis an die zerstörte Hütte und die verunglückten Freunde durchzuführen.

Die Bernauhütte wurde übrigens nie wieder errichtet, nur die Grundmauern sind heute noch zu sehen. Auf dem Weg zum Hirschbachsattel erinnert seither ein vom Skiclub errichtetes Marterl an das Unglück und die beiden Opfer.